Fürstenwalde


Ich bin ein Fürstenwalder!
Hier lebe ich mit meiner Familie. Hier habe ich vor einigen Jahren als Landtagsabgeordneter Politik mitgestalten dürfen. Hier bin ich nach einer für mich persönlich wichtigen Politik-Pause und einem Bruch mit dem Vergangenen wieder kommunalpolitisch als Stadtverordneter und Vorsitzender der SPD aktiv geworden. Aber präsentieren werde ich hier meine heimatgeschichtlichen Forschungsergebnisse zur Fürstenwalder Sozialdemokratie und der Geschichte der hiesigen Arbeiterbewegung…

Wer mag, findet hier schon jetzt einen Link zu der von mir verfassten Kurzen Geschichte der Sozialdemokratie in Fürstenwalde.

Volksfreund Erstausgabe

„Dachbodenfund“ bei einem Genossen: Die Null-Nummer des FÜRSTENWALDER VOLKSFREUND mit Ankündigung des Erscheinens der SPD-Zeitung ab 1. Juli 1919.

2 Gedanken zu „Fürstenwalde

  1. Anne-Gret Trilling

    Lieber Stefan Sarrach,
    Sie haben eine kurze Chronik der Fürstenwalder Sozialdemokratie verfasst. Darin wird auch der Name Lily Braun erwähnt. Im Zusammenhang mit dem Ausbau der Ketschendorfer Feldmark haben wir die Gelegenheit in einem zusammenhängenden Gebiet 10 Straßen oder Wege mit Frauennamen zu versehen. Wir möchten hier gern an politisch engagierte Frauen erinnern. Ich hatte die Fraktionsvorsitzenden aufgefordert, Frauen zu benennen. Für die SPD war der Name Lily Braun schon gefallen. Jetzt fehlen mir ein paar Zeilen zur Begründung. Ich würde mich freuen, wenn Sie mir dazu mehr aus der Chronik zukommen lassen könnten. Herzliche Grüße von Anne-Gret Trilling, Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Fürstenwalde

    Antworten
    1. admin Beitragsautor

      Liebe Frau Trilling,

      gern arbeite ich Ihnen einige Informationen zu Lily Braun zu. Zwar war sie keine Fürstenwalderin, wirkte aber etwa 5 Jahre intensiv in Fürstenwalde und dem damaligen Kreis Lebus (sowie Frankfurt, weil es der Reichstagswahlkreis ihres zweiten Ehemanns war).

      Lily Braun war Tochter eines preußischen Generals und hieß eigentlich Amalie von Kretschmann (geb. 1865 in Halberstadt). 1893 heiratete sie als Lily den Philosophieprofessor Georg von Gizycki, welcher mit der SPD sympathisierte. Das brachte ein Zerwürfnis mit ihrer Familie, das sich allerdings weiter zuspitzte, als sie nach dem Tod ihres Mannes 1896 den sozialdemokratischen Politiker und Publizisten Dr. Heinrich Braun heiratete.

      Lily Braun wurde selber Mitglied der SPD und für die Frauenrechte aktiv, allerdings suchte sie zwischen der bürgerlichen und der sozialistischen Frauenbewegung zu vermitteln und wurde von beiden dafür angegriffen. Bemerkenswert ist, dass sie ihre Idee, Mutterschaft und Beruf zu verbinden, selbst lebte. 1901 veröffentlichte sie ihre Studie „Die Frauenfrage“ und propagierte Arbeitszeitherabsetzungen für berufstätige Frauen sowie Sozialversicherungsschutz für Frauen im häuslichen Dienst, in Heimarbeit und bei der Landarbeit.

      1903 kandidierte ihr Mann im Reichstagswahlkreis Frankfurt-Lebus. Lily Braun machte für ihn intensiv Wahlkampf und trat häufig als Rednerin auf. Vor allem zum Thema der Gleichberechtigung der Frau gab es Versammlungen (z.B. am 24. Mai 1903 in Fürstenwalde, „Frauenpflichten im politischen Kampf“ mit 500 Teilnehmern). Ihre Versammlungen waren sehr gut von Frauen und Männern besucht. Das war keine Normalität (das Frauenwahlrecht wurde schließlich erst 1918 eingeführt). Lily Braun erwarb sich die Anerkennung und Zuneigung der Fürstenwalder SPD, so dass sie gebeten wurde, anlässlich des 10. Stiftungsfestes des SPD-Wahlvereins am 26. September 1903 die Festrede zu halten. Sie legte auch den Grundstein für die Arbeit der sozialdemokratischen Frauengruppe Fürstenwaldes (1910). 1903 und 1906 vertrat sie als eine von drei Delegierten auf den SPD-Parteitagen in Dresden bzw. Mannheim die Wahlkreisparteiorganisation Frankfurt – Lebus.

      Dr. Heinrich Braun gewann 1903 den Wahlkreis (in Fürstenwalde mit 60,8 %), jedoch wurde nach einer Wahlanfechtung die Wahl 1904 wiederholt und er scheiterte diesmal knapp. Auch 1907 gelang ihm keine Wiederholung seines Wahlsieges.

      Lily Braun starb 1916 in Berlin. In ihrer zweibändigen Autobiografie „Memoiren einer Sozialistin“ berichtete sie auch anschaulich von ihren Erlebnissen des Reichstagswahlkampfes 1903. Ihr Leben wurde auch verfilmt.

      Ich hoffe, Ihnen geholfen zu haben.

      Viele Grüße

      Ihr Stefan Sarrach

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